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Es scheint immer ganz leicht und easy, wenn Autoren auf Instagram oder Facebook den neuen Vertrag, eine Leseprobe oder eins der vielen Bilder vorm Laptop mit Kaffee posten. Und ehrlich gesagt: Ich mache diese Bilder ab und an auch. Aber ich will ehrlich mit euch allen sein:

Autor werden, sein oder bleiben ist nicht immer einfach.

Das ist auch der Grund, warum ich ehrlich darüber schreiben will. Auch, um junge Autoren zu ermutigen.

Es gibt einige Bestsellerautoren, die vom ihrem Gehalt als Autor leben können, aber es ist nicht die Regel. Ein Großteil der Autoren, die ich kenne, hat auch einen ganz normalen Brotjob, um über die Runden zu kommen. Das, was durch die Bücher zusammenkommt, ist ein netter Bonus, aber bei den wenigsten reicht es wirklich zum sicheren und guten Leben. Das Arbeiten neben dem Schreiben ist aber nicht unbedingt negativ. So hat man auch immer mal neue Impulse, die man in die Geschichte einfließen lassen kann, aber es mangelt an Zeit. Wer arbeitet, Ausbildung/Schule macht oder ähnliches und ein Buch schreiben will, braucht vor allen Dingen eins: Zeitmanagement und Disziplin.

Das Andere ist dann natürlich die Suche nach einem Verlag. Das Ganze braucht Geduld, Zeit und die Fähigkeit sich mit Kritik sachlich auseinanderzusetzen. Ich habe in meinem Leben schon einige Absagen bekommen und manchmal tut das auch weh. Abgesehen davon hängt die Zu- oder Absage eines Manuskripts auch noch an tausend weiteren Faktoren:

Was verkauft sich gerade gut? Welchen Fokus der Story wünscht sich der Verlag?…

Die Idee ist nicht zwangsweise schlecht, nur weil es eine Absage gab. Trotzdem kommt man an einem richtigen ordentlichen Exposé nie vorbei. Doch auch darin liegt eine Chance: Sich zu überlegen,  wo es in der Story eigentlich hingehen soll, ob der rote Faden erkenntlich ist und was sie eigentlich zu der Geschichte macht, die einem so ans Herz gewachsen ist. Durch das Schreiben allgemein, durch Zusammenarbeit mit Verlagen und die Anmerkungen von Lesern wachsen wir über uns hinaus. Wir lernen, welchen Teil der Kritik wir annehmen/ablehnen wollen oder an welcher Stelle man selbst auch mal einen Kompromiss eingehen möchte.

Einige Male war es bei mir beispielsweise so, dass ich in Zusammenarbeit mit dem Verlag mal Handlungsstränge ändern, den Fokus der Geschichte verschieben musste oder auch mal das Alter eines Protagonisten anpassen musste, damit es besser in das Verlagskonzept passt. Herauszufinden womit man sich dabei wohlfühlt ist ebenfalls ein Prozess.

Bei meinem allerersten Buch hat mir dazu die Geduld gefehlt. (Zu meiner Verteidigung ich war zu dem Zeitpunkt ein Teenie ) Ich habe es damals als SPler versucht. Etwas, was ich heute ein wenig bereue. So ganz ohne Verlag, Lektorat etc. bin ich mit dem Ergebnis heutzutage nicht zufrieden, was ich ehrlich zugebe. Trotzdem hat es mir eine Hürde genommen und mir geholfen mich auf den Weg zu machen.

Ich habe nachher sehr stark auf die Zusammenarbeit mit Verlagen gesetzt und dadurch sicherlich viel gelernt sowie profitiert. Dafür musste ich aber auch einige Kompromisse eingehen. Wird das Buch nun verlegt, ist das aber noch immer keine sofortige Garantie für Erfolg: Dann geht es an das Marketing, das in erster Linie viel von dem Verlag, aber auch von dem Autor abhängt. –Und wie fit der Verlag bzw. man selbst darin ist, entscheidet natürlich dann auch über die Verkaufszahlen.

Man kann eine ganze Menge über Social Media machen, aber das nimmt natürlich auch Zeit in Anspruch und verlangt oft neue Ideen. Ich versuche mich beispielsweise immer mal wieder zu melden über soziale Medien, aber empfinde es manchmal auch als anstrengend. Ich würde auch nicht behaupten darin besonders gut zu sein, auch wenn ich mich bemühe mir für Leser und Autorenfreunde immer mal wieder was zu überlegen. Aber die Waage zu finden zwischen angemessenen und nervigen Content ist nicht gerade einfach. Und ich habe mich dazu entschieden, mich dann lieber auch mal nicht zu melden als etwas zu posten, was für mich persönlich wenig Sinn macht oder so gar nicht zu mir passt. Dafür nehme ich aber auch in Kauf, dass mir Leute entfolgen oder ähnliches.

So ist der Weg sicher nicht für jeden gleich und es hängt viel von der Persönlichkeit ab. Es sind einem dann auch je nach Alter unterschiedliche Dinge wichtig. Fehler darf man sicherlich machen, wichtig ist nur, dass man daraus versucht zu lernen und besser zu werden. Das ist wahrscheinlich überall so im Leben und beim Schreiben nicht anders.

Nachdem ich die letzten Geschichten alle über Verlage veröffentlicht habe (womit ich bisher auch sehr zufrieden war) und mein neuer Roman erst so 2021 bei Bookshouse erscheint, wage ich mich aber noch dieses Jahr wieder an etwas neues:

Ich werde eine meiner Storys auf Wattpad hochladen und bin wirklich supergespannt wie den Lesern das gefällt. Denn bei diesem Projekt fließt dann sicher ein Teil des Prozesses, den ich bereits erlebt habe, ein. Trotzdem sind es meine ungefilterten Ideen – mal komplett ohne Verlag.

Zu der Story gibt es auch noch eine Vorgeschichte:

Ich habe diese Story mit 14 angefangen zu schreiben, aber mich nie getraut sie zu veröffentlichen. Vor zwei Jahren habe ich mich drangesetzt, den ersten Teil bearbeitet und bin auf Verlagssuche gegangen, aber nie fündig geworden.

Ja, sowas passiert auch noch, wenn man schon einmal bei einem Verlag veröffentlichen konnte. Und dann muss man sehen, was man mit dem MS machen will. Ich hatte mal eine halbe Zusage, aber hätte damals so viel anpassen müssen, dass die Geschichte nicht mehr dieselbe gewesen wäre und das konnte ich mir nicht vorstellen. Der Verlag befürchtete damals, dass sich durch meine Vorstellung der Erzengel etc. eventuell Leute verletzt fühlen könnten. Na ja… das heißt dieses Jahr arbeite ich an zwei Projekten:

Einerseits werde ich gemeinsam mit Bookshouse an dem Manuskript von „Du, ich und die verdammte Ewigkeit“ arbeiten und gleichzeitig frei auf Wattpad, aber mit euren direkten Leseranmerkungen an meinem eigenen, kleinen Projekt arbeiten. Neu, aber definitiv spannend und ich freu mich drauf.

Meinen Autorenfreunden und den angehenden Autoren wünsche ich viel Geduld, die Entschlossenheit auch Neues zu wagen und die Fähigkeit Kritik an- aber auch abzulehnen. Das sind zumindest die Sachen, die ich fürs Schreiben wichtig finde und an denen ich arbeite. 🙂