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Seit einiger Zeit ist dieser Michael Nast mit seinen ganzen Artikeln über Beziehungsprobleme und darüber wie gefühllos und egoistisch diese Generation doch ist, der letzte Schrei.

Für mich ehrlich gesagt absolut unverständlich, denn irgendwie sagen seine Texte fast alle dasselbe aus: Wir alle sind egoistisch und streben im Grunde genommen nur nach Selbstverwirklichung. Das auch in einer Beziehung. Früher war das vielleicht nicht so, weil die Menschen gar nicht die Möglichkeit hatten: Aber jetzt mal Hand aufs Herz. Ist das wirklich so schlimm?

Ich bin der Meinung, dass wir uns erst einmal selbst finden müssen, oder zumindest erst einmal soweit einen Plan haben müssen, dass wir uns auf einen anderen einlassen können. Vorher ist es normal, dass das so nicht wirklich etwas gibt. Abgesehen davon, finde ich nichts Verwerfliches daran von dem eigenen Partner zu erwarten, dass er uns unterstützt. Sofern man bereit ist dasselbe auch für ihn/sie zu tun.

Ich gebe Michael Nast darin recht, dass es Zeit braucht, um sich auf jemanden wirklich einzulassen und dass wir uns in einer Beziehung Problemen stellen müssen, aber deswegen muss man nicht gleich eine ganze Generation als ‚Beziehungsunfähig‘ betiteln. Das ist ehrlich gesagt einfach nur provokativ und ‚dezent‘ verallgemeinert ausgedrückt.

Und so schrecklich egoistisch sind wir vielleicht gar nicht. Wir haben im Gegensatz zu den vorherigen Generationen eher die Chance uns selbst zu entfalten. Das heißt aber nicht, dass wir deswegen nicht nach Liebe streben: Wir müssen es dabei nur schaffen die Waage zwischen Selbstverwirklichung, unseren Zielen und eben einer fairen Beziehung aufrechtzuerhalten. Das ist eine Herausforderung, aber gleichzeitig eine Chance. Wenn die Menschen früher nicht durch Rollenkonzepte, Tradition etc. gehindert gewesen wären, sich selbst zu finden, hätten Sie es dann nicht auch getan?

Es ist eine Herausforderung, aber warum soll uns das nicht gelingen? Es tut mir leid, aber den negativen Blick auf unsere Generation kann ich  und möchte ich auch nicht teilen. Alleine der Titel „Generation Beziehungsunfähig“ ist schrecklich destruktiv. Es gibt vielleicht neue Herausforderungen zu bewältigen, aber die Sicht von Nast schafft meiner Meinung nach mehr Probleme als eigentlich existieren.

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