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Dass man nicht jeden Tag gut drauf ist, kann sicher jeder nachvollziehen. Es ist in Ordnung mal über einen ganzen Tag ein langes Gesicht beizubehalten und sich zurückzuziehen. An Tagen, wo es besonders schlimm ist, kann ich auch verstehen, dass man nicht alle Geduld der Welt hat und mal blöd reagiert.

Es gibt aber Leute, bei denen dieser Habitus die absolute Regel ist. Wenn ich zur Uni fahre, habe ich da einen Busfahrer, den ich noch nie lachen gesehen habe. Kommt man auch nur eine Sekunde zu spät und klopft gegen die Scheibe, kann man sich sicher sein, dass die heiligen Türen des Fahrzeugs verschlossen bleiben und man auf den nächsten Bus warten kann. Hat einer der Fahrgäste sich mit dem Kleingeld verzählt, folgt eine genervte Bemerkung. Hat jemand eine Frage zu der Strecke, so gibt der Busfahrer keine genaue Antwort, sondern fragt, warum man nicht auf den Plan geschaut hat.

Im Studium habe ich gelernt, dass wir Menschen Verhalten spiegeln. Freundliches und auch unfreundliches. Es kann also gut sein, dass mein Busfahrer nicht alleine schuld daran ist, dass er immer so genervt und schlecht ist. Schließlich gibt es auch anstrengende Fahrgäste. Vielleicht ist er schon vier Strecken vorher gefahren und hatte dabei ein paar Leute im Bus, die sich genauso unfreundlich verhalten haben, wie er es danach tut. Wenn das mehrere Tage hintereinander passiert, kann es gut sein, dass man eine negative Grundstimmung einfach mal beibehält.

Darum habe ich mir vorgenommen, dass ich, wenn dieser Busfahrer mich zur Haltestelle nach Hause fährt, ihn grüße und anlächele. Den Plan habe ich gestern in die Tat umgesetzt. Was darauf folgte, war keine richtige Reaktion. Er schaute mich mehr verwundert an und warf, auch als ich Platz genommen hatte, mehrmals einen Blick in den Rückspiegel, in dem man die Fahrgäste beobachten kann. Dabei blieb sein Blick größtenteils an mir kleben. Gleichzeitig achtete ich auf das Verhalten der anderen Fahrgäste. Niemand grüßte den Busfahrer und ein Lächeln war sowieso nicht zu beobachten. Anscheinend ist er so etwas demnach überhaupt nicht gewohnt. Ich habe nun vor ihn immer wieder zu begrüßen und anzulächeln. Vielleicht lächelt er dann auch eines Tages zurück und ist nicht nur verwundert.

Manchmal kann es leicht sein den Teufelskreislauf der Unfreundlichkeit einfach zu durchbrechen, indem wir uns nicht wie unser Gegenüber verhalten, sondern es mit unsere Reaktion überraschen. Zumindest ich finde, dass ein Versuch sich lohnt. 

-Makel der Menschheit

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